An einem eher trüben und nebligen Sonntag im Oktober haben sich mein Mann und ich nach Pegau aufgemacht. Pegau ist eine sächsische Kleinstadt im Landkreis Leipzig. Die Stadt liegt ca. 25 km südlich von Leipzig an der Weißen Elster und grenzt mit seinen nordöstlichen Ortsteilen an den Zwenkauer See.
Pegau wurde 1096 in Verbindung mit der Gründung des Pegauer Klosters durch Wiprecht von Groitzsch erstmals urkundlich erwähnt. Das Kloster war ein Benediktinerkloster und eine der ältesten Klostergründungen in Sachsen. Bekannt wurde es vor allem durch die sogenannten Annales Pegaviensis, die Pegauer Annalen aus dem Jahr 1155. 1556 erfolgte nach Säkularisation der Abriss des Klosters.
Im Oktober 1681 führte der damalige Zeitzer Stadtphysikus Johannes Schreyer (1631–1695) im Rathaus Pegau erstmal das später nach ihm benannten rechtsmedizinische Verfahren der Lungenschwimmprobe zur Überprüfung von Totgeburten durch und schrieb damit Medizingeschichte.
Bildhauer-Pleinar
Über das Stadtgebiet von Pegau verteilen sich über 50 Skulpturen aus Holz, Sandstein, Serpenthin und Marmor. Der Ursprung dieser zahlreichen Werke liegt im Bildhauer-Pleinair, das der Pegauer Künstler Rainer Pleß gemeinsam mit der Stadt 2007 ins Leben gerufen hat. Seitdem kommen Bildhauer nach Pegau und arbeiten öffentlich an ihren Werken. Die fertigen Skulpturen bleiben anschließend im Stadtgebiet stehen. Inzwischen haben 27 Künstlerinnen und Künstler mehr als 50 Werke geschaffen.
2026 hätte eigentlich die 20. Auflage des Bildhauer-Pleinars stattgefunden, doch das Geld fehlte. Das ist insofern bemerkenswert, als die Veranstaltung offenbar relativ überschaubare Kosten hat.
















































































Pegauer Rathaus

Das Rathaus ist für so eine Kleinstadt wie Pegau beeindruckend. Es wurde von 1559 bis 1561 von Paul Widemann und Hieronymus Lotter in den Formen der deutschen Renaissance gebaut.
Auffällig ist die große Ähnlichkeit mit dem Leipziger Alten Rathaus (erbaut 1556/1557), an dessen Umbau Lotter und Wiedemann zuvor mitgewirkt hatten. Der Rathausturm kann im Sommerhalbjahr bestiegen werden. In 30 Metern Höhe ist ein Rundblick bis nach Leipzig zum Völkerschlachtdenkmal möglich.
Schlossresidenz und ehemaliges Amtsgericht

Nach Säkularisierung des Pegauer Klosters wurden Teile der verbliebenen Bausubstanz für profane Zwecke weiter genutzt und das ehemals am Kirchplatz gelegene kursächsische Amt hierher verlegt.
Als 1662 das Amt Pegau an Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz verkauft wurde, nutzten er und später sein Sohn Moritz Wilhelm einen Gebäudeteil bis zum Erlöschen der Zeitzer Sekundogenitur 1718 als Sommerresidenz (daher auch der Name Schlossplatz).
1909 wurde das alte Amtshaus abgerissen und von dem Pegauer Baumeister Julius Patzschke der 1912 vollendete Amtsgerichtsneubau mit einem im Zweiten Weltkrieg zerbombten Gefängnisbau errichtet. Nach 1949 befanden sich hier Kinder- und Gesundheitseinrichtungen. 1998 erfolgte der Umbau zu einer Einrichtung für betreutes Wohnen („Schlossresidenz“).
Friedhof Pegau

Der heutige Friedhof ist deutlich älter, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Der neue Gottesacker wurde 1557 erworben.
Auf dem Gelände stand zunächst eine ältere Kirche, die 1644 während des Dreißigjährigen Krieges abgebrochen wurde, weil man den anrückenden schwedischen Truppen keinen militärisch nutzbaren Stützpunkt vor den Stadtmauern bieten wollte.
Die heutige Friedhofskirche St. Johannis stammt im Kern aus dem 17. Jahrhundert. Sie ist ein barocker Saalbau mit einem bemerkenswerten Fachwerkchor und Dachreiter. Das gesamte Ensemble aus Kirche, Leichenhalle, Einfriedung und historischen Grabmalen aus dem 18. und 19. Jahrhundert steht unter Denkmalschutz.
Sankt-Laurentius-Kirche

Die evangelische Stadtkirche St. Laurentius ist eine spätgotische Hallenkirche. und wurde als Stadtkirche wohl schon vor 1189 durch den Abt Windolf des Benediktinerklosters St. Jakob gegründet. Nachdem sie bei einem Stadtbrand 1382 zerstört worden war, wurde sie im 15. Jahrhundert neu gebaut.
Das kostbarste Stück der Ausstattung der Kirche ist das Kenotaph aus Sandstein für den Stifter des Klosters St. Jakob Wiprecht von Groitzsch aus der Zeit um 1230, das ursprünglich für die 1556 abgebrochene Klosterkirche St. Jakob geschaffen wurde.
Bei unserem Besuch war die Kirche trotz des Erntedankfestes am Vormittag eines Sonntages geschlossen.


